„Wir müssen mit unseren Kompetenzen als Experten wahrgenommen werden und kontinuierlich sichtbar sein“, sagt PR-Mentorin und Schreibcoach Daniela Heggmaier. Dies gelte vor allem in der heutigen Zeit, in der wir keinen linearen Karriereweg gehen. Als Expertin für Selbst-PR hat sie uns Fragen rund um das Thema Selbstmarketing und Sichtbarkeit im Internet beantwortet – inklusive Top 5 Selbst-PR Tipps!

Für wen ist Selbst-PR von Vorteil?

Daniela Heggmaier: Für alle, die etwas erreichen wollen, in ihrer Karriere, ihrem Business, ihrer Selbständigkeit. Führungskräfte und CEOs brauchen Sichtbarkeit und Bekanntheit heute genauso sehr wie Start-up Gründer, Berater oder Unternehmer. Denn das Arbeitsleben hat sich drastisch verändert:

Heute leben wir keinen linearen Karriereweg mehr, der nach drei Positionen mit 65 in der Rente endet. Heute gibt es die Mosaikkarriere, die bis zu 20 Stationen beinhaltet. Um dabei immer wieder neue Aufgaben oder Teams finden zu können, ist es wichtig, dass wir in den relevanten Branchen und Communities bekannt und gut vernetzt sind. Wir müssen mit unseren Kompetenzen als Experten wahrgenommen werden und kontinuierlich sichtbar sein. Und weil sich unsere Lebensarbeitszeit verlängert, muss unsere Erwerbstätigkeit über einen deutlich längeren Zeitraum erfolgreich sein, als das bei den Vorgängergenerationen der Fall war.

_N5Y0601Zudem verändert die digitale Transformation die Art und Weise, wie wir miteinander kommunizieren. Durch Social Media und neue Medien- und Kommunikationswege sind wir sichtbarer, können und müssen mit unterschiedlichsten Gruppen auf vielen Kanälen kommunizieren. Wer sich zeigt und positive Resonanz erzielt, wird gebucht oder befördert. Wer seine Fans in Form einer begeisterten Community zum nächsten Job mitbringt, ist mehr wert als der No-Name. Wer wahres, nützliches Wissen vermittelt, bietet Orientierung in Zeiten der #alternativefacts und #fakenews. Wir haben alle Technologien in unserer Jackentasche und können mit unserem Smartphone eine Reichweite aufbauen, die uns früher nur Auftritte im Fernsehen, Radio oder in der Zeitung ermöglicht hätten.

Wie funktioniert Eigen-PR eigentlich?

Daniela Heggmaier: Tue Gutes und rede darüber! Zu Beginn steht die Positionsbestimmung: Wo will ich hin? Was will ich erreichen? Wie und was bin nur ich und wie möchte ich in Erinnerung bleiben? Und dann geht es darum, spielerisch und mit viel Freude zu inspirieren und sich langfristig ein Publikum aufzubauen: Zum Beispiel durch das Publizieren von Büchern und Artikeln, Videos oder Interviews in klassischen Medien, mit dem eigenen Blog, in Social Media und auf Business-Plattformen. Dazu kommen Vorträge, z.B. auf Messen und Kongressen, aktives Netzwerken sowie die Pflege von guten Beziehungen.

Was sind Ihre „Top 5 Selbst-PR Tipps“?

Daniela Heggmaier:

  • Tipp 1: Wichtig ist, dass wir uns selbst und unsere Ziele kennen: Wie sieht mein Personal Brand aus? Was ist mein Markenzeichen, mit dem ich leicht wiedererkennbar bin? Welche sind die Geschichten, die nur ich erzählen kann?
  • Tipp 2: Selbst-PR ist keine Eintagsfliege. Wir brauchen Commitment und Kontinuität. Ein bisschen Mut und Risikobereitschaft gehören auch dazu.
  • Tipp 3: Zusammen sind wir besser: Mit Kooperationen kommen wir in der Regel schneller ans Ziel und die Unterstützung der „Crowd“ schafft mehr Sichtbarkeit, als sie ein Mensch alleine aufbauen kann. Geben und Nehmen sollten sich immer die Waage halten.
  • Tipp 4: Selbst-PR braucht Wissen – über Social Media, die Kommunikation darin, übers Bloggen, Fotografieren, Video und die Wirkung, die die unterschiedlichen Maßnahmen erzielen. Weil sich die Plattformen jährlich neu erfinden und die technologischen Entwicklungen immer schneller voranschreiten, sind alle gefragt, sich konstant weiterzubilden.
  • Tipp 5: Mit Liebe geht alles leichter. Mit einer inneren Haltung, in der Großzügigkeit, Geben, Liebe und das Wohlwollen aller Beteiligten eine wichtige Rolle spielen, ist Selbst-PR erfolgreicher. Die Menschen wollen keine narzisstische Selbstvermarktung sehen, sondern können mit den Menschen in Resonanz gehen, die ihre Werte und Denkweisen teilen und ihnen nützliche Inhalte auf sympathische Art und Weise anbieten.

Wie wird man als Experte sichtbar – vor allem in Zeiten der Digitalisierung? Wie kann die Sichtbarkeit im Internet verbessert werden?

Daniela Heggmaier: Machen kann man viel, aber weil unser Tag ja nur 24 Stunden hat und wir ja noch einen Beruf haben, hat es sich bewährt, sich auf diese drei Strategien zu konzentrieren:

  • Erstens: Weniger ist mehr! Lieber nur ein paar Plattformen, die zu einem passen und auf denen die Zielgruppen vertreten sind, auswählen und bedienen.
  • Zweitens: Eine zukunftssichere Basis auswählen, bei der man die Sichtbarkeit selbst in der Hand hat. Das heißt, einen eigenen Blog regelmäßig und authentisch mit informativen und unterhaltsamen Inhalten zu bespielen. Auf allen anderen Plattformen bestimmen die Betreiber die Sichtbarkeit, und wer baut schon gerne ein Haus auf einem geliehenen Grund?
  • Drittens: Communities machen sichtbar! Das Netz ist keine Einbahnstraße. Facebook ist kein Selbstdarstellungskanal. Ein Blog kein Verkaufsraum. Wichtig im Netz sind diese Disziplinen: Zuhören. Antworten. Win-Win. Empfehlen und empfohlen werden. Teilen und geteilt werden. Liken und geliked werden. Dann entsteht Beziehung online, dann wachsen Verbindungen. Und dann klappt es auch mit Freunden, Fans und Followern. Und nur die können die eigene Sichtbarkeit deutlich voranbringen!